Landesausstellung 1992

Landesaustellung 1992Landesaustellung Meierhof
- Wir alle sollen Bauern sein


Die Bauernausstellung im Mühlviertel (bis 26. Oktober) auf dem Gelände des uralten Meierhofs des Prämonstratenserstifts Schlägl spannt einen großen Bogen: genau genommen von der Schöpfungsgeschichte bis in die Zukunft der Menschheit. Sie wendet sich auch an die Bauern und handelt von deren Arbeit, aber nicht nur, wie schon das Motto dieser ungewöhnlichen Ausstellung verrät: »Bauern - unser Leben - unsere Zukunft«.

Einbezogen in den geistigen Duktus sind vielmehr alle Besucher, alle Menschen, die sich Gedanken machen über den Umgang mit der Natur über die Sicherung des Lebensunterhalts hinaus. In einem Begleitwort zur Ausstellungsinszenierung drückt dies der Ausstellungsarchitekt Hans Hoffer so aus:
Landesaustellung
»Ja, die Zusammenhänge der Natur und die Rolle des Menschen darin, der Bauer als Produzent, nicht von eigenen Gnaden, sondern als Vertrauter und damit Geduldeter der Natur, dieses Thema läßt sich gut erzählen vor der abgelebten historischen Folie des Meierhofes. Hier wurde jahrhundertelang produziert, mit der Natur umgegangen, diese schützenden Steinmauern sind Mahnmal der Erinnerung an die uralte Sehnsucht des Menschen nach dem harmonischen >Einhergehen<, dem Einklang mit der Natur. Der Mensch als kleiner Teil eines großen Körpers: insofern sollten wir alle Bauern sein. Wissende um den Kreislauf der Natur.«

So ist denn die Darstellung der Bauernarbeit, der Feldarbeit, eigentlich nur eine Beigabe, eine Erläuterung für den landentwöhnten Städter und Konsumenten, wenn auch eine sehr anschaulich und übersichtlich dargebotene. Die ganze Ausstellungsführung zielt auf ganzheitliche, globale Zusammenhänge, zwingt zum Nachdenken über den eigentlichen Sinn des Bewahrens der Natur, auf den Umweltschutz.

Es verwundert nicht, daß hier sozusagen auf geistlichem Grunde, auf dem Mönche seit Jahrhunderten den Umgang mit der Natur vermitteln, auch starke religiöse Anklänge einfließen. So beginnt der Ausstellungsumgang mit einer erleuchteten Glasscheibe, auf der »Die Vertreibung aus dem Paradies« dargestellt ist. Sie hat den Menschen gezwungen, sich im Schweiße seines Angesichts sein Brot zu erarbeiten.

Die Geschichte der Bauern, so vermittelt die Ausstellung, habe mit dem biblischen Bericht von der Vertreibung aus dem Paradies begonnen: »Gott der Herr schickte Adam aus dem Garten Eden weg, damit er den Ackerboden bestellte, von dem er genommen war« (Gen. 3, 33).

 

Was is(s)t der Mensch?

Die Welt ist gekennzeichnet vom Überfluß an Nahrung auf der einen Seite und vom Hunger auf der anderen weit größeren Seite. Das Welternährungsproblem wird aufgezeigt: Vom kleinen Österreich schweift der Blick auf globale Probleme - in Äthiopien, Sudan, Bangia Desh.

Lebens - Kreise des Menschen (Bauern)

Nun wendet sich der Blick wieder auf Lebenskreise des Menschen in der Heimat und hier natürlich auf den bäuerlichen Lebenskreis. Die Standesbezeichnung Bauer kennzeichnet keine homogene Gruppe, sie ist eher ein ideologischer als historischer Begriff: zwischen besitzlosen ländlichen Unterschichten, für die Landwirtschaft produzierenden Handwerkern, Grundbesitzern und -bewirtschaftern bestehen beträchtliche standesmäßige Unterschiede. Im Raum »Labyrinthe des Lebens« klingen wieder religiöse Aussagen an, denn bäuerliches Leben ist Leben im Ablauf der Jahreszeiten und in Abhängigkeit von der Natur. In christlicher Weltsicht ist der Mensch Teil der Schöpfung. Grunderfahrungen von Abhängigkeit prägen das Verhältnis der Menschen zur Schöpfung: einmal die Erfahrung von Schönheit, Nähe und Geborgenheit in Augenblicken der Harmonie mit der Natur (»Die Schöpfung ist gut«) und dann die Erfahrung der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins angesichts der unvorhergesehenen Bedrohungen (»Die Schöpfung wird zum Fluch«).
 

Mit den Kreisläufen der Natur befaßt sich ein wichtiger Teil der Ausstellung. Es wird hier nicht verschwiegen, daß auch und gerade die Landwirtschaft ihr Scherflein zur Umweltzerstörung mit Übermechanisierung, Chemieanwendung und vielem anderen beiträgt. Die vier Elemente als Grundlage alles Lebendigen (Wasser, Erde, Luft und Feuer) dargestellt, geben Anlaß zum Staunen und Wundern, mahnen eindringlich zum Bewahren der Schöpfung.

Als recht gelungener Kontrast zum konzeptionell Aufbereiteten erscheint dann beim ersten Hinaustreten ins Freie der Anblick eines wunderschönen Bauerngartens, der nicht eigens angelegt wurde, sondern hier vom Kloster aus ständig unterhalten wird. Daß hier auf dem Meierhof bis 1983 Tiere gehalten wurden, »dokumentiert« ein Misthaufen daneben. Und anrührend ist der uralte Spalierbirnbaum einer Sorte, die heute nicht mehr handelsüblich ist.

Eine geschichtliche Betrachtung des Bauernstandes in Österreich fehlt ebenso wenig wie der Übergang zur Moderne - zum Bauern als Produzenten. Hier muß eine kleine Kritik erlaubt sein: Es hätte besser in den Gesamtzusammenhang der Ausstellung gepaßt, wenn hier bewußt auf krasse Fehlleistungen des heutigen Bauern mit der bekannten Überproduktion verwiesen worden wäre. Immerhin ist dem biologischdynamischen Landbau angemessener Raum gewidmet.

Sehr positiv ist, daß zusätzliche Außenausstellungen die Schau komplett machen. Die Außenstelle Seitelschlag - 10 Kilometer vom Ausstellungsort entfernt im Agrargelände der Gemeinde Ullrichsberg an der böhmischen Grenze gelegen - zeigt, wie durch vernünftige Grundzusammenlegung sowie durchdachte Veränderungen Ökonomie und Ökologie in Einklang gebracht werden können. Nutzflächen wechseln hier mit Feucht- und Trockenwiesen mit ihrer vielfältigen Pflanzenwelt ab. Buschgruppen, Hecken, Feldraine und Bachufer bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen-, Vogel- und Schmetterlingsarten. Insgesamt eine sehr beeindruckende, in weiten Teilen faszinierende Ausstellung, der es gelingt, den Betrachter nachdenklich oder gar betroffen zu machen. Herbert Burger